Ausgangssituation

In Friesack lagen funktionale und gestalterische M√§ngel sowie weitere st√§dtebauliche Missst√§nde vor, zu deren Behebung die Durchf√ľhrung einer st√§dtebaulichen Sanierungsma√ünahme im Jahr 1990 eingeleitet wurde.

Substanzmängel

Substanzmängel äußerten sich insbesondere durch

  • hohen Sanierungsbedarf und die notwendig gewordene Sicherungen von historischer Bausubstanz,
  • Leerstand von Wohn- und Gewerbeimmobilien,
  • gebietsuntypische Nutzungen in innerst√§dtischen Lagen,
  • die hohe Anzahl an ungenutzten Grundst√ľcken bzw. Baul√ľcken.

41 Geb√§ude wiesen einen dringenden Sanierungsbedarf auf und bei ca. 30 Geb√§uden war eine Objektsicherung notwendig. 48 Geb√§ude standen teilweise oder vollst√§ndig leer und eine Zweckentfremdung wurde bei 7 Geb√§uden festgestellt. Dar√ľber hinaus stellten die vielen sanierungsbed√ľrftigen und leerstehenden Scheunen im Scheunenviertel (Vietznitzer Stra√üe, Thiemannstra√üe) eine besondere Herausforderung dar. Besonders auff√§llig waren die mangelnde Auslastung der Grundst√ľcke und die vielen Baul√ľcken und Brachfl√§chen im Untersuchungsgebiet, die dem Charakter der innerst√§dtischen Struktur nicht entsprachen. Durch den gro√üen Teil der ungenutzten bzw. entsprechend dem Gebietscharakter unter- oder fehlgenutzten Grundst√ľck ergaben sich gleichzeitig potentielle Neubaufl√§chen.

  

Durch die er√∂rterten st√§dtebaulichen M√§ngel wurde das Untersuchungsgebiet der VU in der Erf√ľllung seiner Aufgaben, die ihm nach seiner Lage und Funktion f√ľr die Stadt und umliegende Siedlungen obliegen, erheblich beeintr√§chtigt. Die innerst√§dtische Struktur war nur in Grundz√ľgen erkennbar.

Funktionsmängel

Die Funktionsm√§ngel dr√ľckten sich in erster Linie aus in

  • Nutzungskonflikten durch die fehlgenutzten und untergenutzten Grundst√ľcke,
  • Fehlbedarfen an ortsspezifischen innerst√§dtischen Nutzungen,
  • M√§ngeln in der Verkehrsinfrastruktur und somit der Verkehrssicherheit (vor allem aus Sicht der Fu√üg√§nger),
  • M√§ngeln im Ortsbild, insbesondere bei der Gestaltung der Bebauung und von Freifl√§chen.
Nutzungskonflikte

Nutzungskonflikte lagen durch gewerbliche Nutzungen (beispielsweise Kfz-Werkstätten, Gärtnerei, Schreinerei, Baumarkt und Getränkefabrik), welche vorzugsweise aus dem Gebiet ausgelagert werden sollten, oder durch Unternutzungen (Parkplatz, Lagerflächen) vor. Sie standen im Widerspruch zum Gebietscharakter als innerstädtischer Einkaufsstandort und  Wohngebiet.

Fehlbedarfe

Fehlbedarfe √§u√üerten sich in einem Mangel an f√ľr die inner√∂rtliche Lage typischen Nutzungen (Einzelhandel, Dienstleistungen, √∂ffentliche Einrichtungen). An verschiedenen Stellen des Untersuchungsgebietes waren Nutzungserg√§nzungen im Zuge einer Neubebauung bzw. Baul√ľckenschlie√üung sowie eine Neugestaltung von Freifl√§chen erforderlich.

Hervorzuheben war der Leerstand bzw. die Unternutzung der ehemaligen Scheunen, die verschiedene Nutzungsm√∂glichkeiten aufwiesen, insbesondere bez√ľglich Kleingewerbe, Ferien- Wochenendnutzung oder Tourismus.

An mehreren Orten wurden Stellplatzdefizite identifiziert, beispielsweise an der Hamburger Straße im Bereich der Kirche oder an der Post. Es fehlte an Beherbergungskapazität und Kultureinrichtungen. Des Weiteren mangelte es an baulichen Abrundungen, beispielsweise im Bereich der Gartenstraße/ Große Schanze.

Des Weiteren wurde das Fehlen von √∂ffentlichen Parkpl√§tzen in fu√ül√§ufiger N√§he zum Zentrum als Mangel identifiziert, da hieraus eine Belastung der Altstadt durch ruhenden Verkehr resultierte. Das Rad- und Fu√üwegenetz fehlte weitestgehend, ebenso wie kleinere Ruhe- und Sitzbereiche. Au√üerdem war kein Spielplatzangebot f√ľr Kleinkinder in Zentrumsn√§he im entsprechenden Ma√üe und in entsprechender Qualit√§t vorhanden.

Mängel in der Verkehrsinfrastruktur

Als wesentliche funktionale M√§ngel waren eine fehlende Verkehrssicherheit und -f√ľhrung, das Fehlen von Querungsm√∂glichkeiten f√ľr Fu√üg√§nger und ein hohes Verkehrsaufkommen an zentralen Kreuzungsbereichen (Durchreiseverkehr mit hohem LKW-Anteil) erkannt. H√§ufig fehlte eine Gliederung der Verkehrsfl√§chen, die Bewegungsfreiheit von Fu√üg√§ngern war oft eingeschr√§nkt und einige Stra√üen waren noch nicht befestigt. Dar√ľber hinaus bestanden Gestaltungsm√§ngel im Stra√üenraum beispielsweise bei der Abgrenzung von Fahrbahn und Stellpl√§tzen.

  

Mängel im Ortsbild

Vor allem die bereits angesprochenen leerstehenden Grundst√ľcke und Baul√ľcken st√∂rten das Ortsbild. Raumkanten waren zum Teil nicht oder nur schwach definiert. Blockrandbebauungen fehlten teilweise oder wirkten im Ortsbild deplatziert. In vielen Bereichen erschien eine st√§dtebauliche Neuordnung notwendig.

Die Bedeutung der Hamburger Straße als Zentrumslage und Hauptverkehrsachse spiegelte sich in der architektonischen Gestaltung nur bedingt wieder. Es waren ungeschlossene Brandwände und offene Blockränder vorhanden.

Bezogen auf die gesamte Gebietskulisse f√ľgten sich einzelne Geb√§ude bzw. Geb√§udeteile aufgrund einer abweichenden Gestaltung und Dimensionierung nicht in das Ortsbild ein, beispielsweise¬† Anbauten, Nebengeb√§ude und Garagen. Hier war eine st√§dtebauliche Neuordnung erforderlich, gegebenenfalls durch den R√ľckbau der genannten Anlagen.

Im r√ľckw√§rtigen Bereich des Rathauses bestand ein erhebliches Gestaltungsdefizit. Es mangelte an einer Funktionsgliederung, Durchgr√ľnung und Freifl√§chengestaltung. Auch in anderen Bereichen waren Ma√ünahmen zur Aufwertung des √∂ffentlichen Raumes erforderlich.

Umgestaltungspotentiale bestanden dar√ľber hinaus an einigen Geb√§uden bez√ľglich Firsth√∂he und -richtung, Dachneigung und Fassadengestaltung am Marktensemble. F√ľr ein einheitliches Ortsbild waren Umgestaltungen an einzelnen Objekten w√ľnschenswert.

Dar√ľber hinaus wurden Werbeanlagen und die angesprochenen Gewerbenutzungen als ortsbildst√∂rend erfasst.